Klinische Studien mit Kindern: Warum sie unverzichtbar sind

Soll ich mein eigenes, erkranktes Kind an einer klinischen Studie teilnehmen lassen? Viele Eltern würden diese Frage wohl instinktiv verneinen. Doch was ist, wenn es kein wirksames und sicheres Medikament gibt, weil der Wirkstoff bisher nur an Erwachsenen untersucht wurde?

Klinische Studien sind der Schlüssel zu neuen, sicheren Therapien, denn dort können innovative Behandlungsmöglichkeiten gründlich erforscht werden, bevor sie der Allgemeinbevölkerung zugutekommen. Davon profitieren auch Kinder– durch Forschung, die speziell auf sie zugeschnitten ist.1,2,3

Apr 07, 2026

Der Weg zu sicheren Therapien

Ein neues Medikament darf Patient*innen erst dann verschrieben werden, wenn seine Wirksamkeit nachgewiesen worden ist, es sicher angewendet werden kann und von der zuständigen Behörde zugelassen wurde. Dafür braucht es klinische Studien.2,3

Bevor ein Wirkstoff zum Einsatz kommt, durchläuft er strenge Tests, zunächst im Labor. Anschließend wird er in der ersten Phase einer klinischen Studie in der Regel ausschließlich an gesunden Teilnehmenden geprüft. Erst nach erfolgreichem Abschluss dieser Etappe erhalten erkrankte Menschen im Rahmen von klinischen Studien Zugang zu dem Wirkstoff – immer unter engmaschiger Kontrolle durch Ärzt*innen und Forschende.1,4,5

Bei klinischen Studien steht die Sicherheit der Teilnehmenden stets an erster Stelle. Jede Studie wird individuell genehmigt, laufend überwacht und von Ethikkommissionen begleitet. Besonders schutzbedüftige Gruppen wie beispielsweise Schwangere, Menschen mit Demenz und auch Kinder und Jugendliche stehen unter einem nochmals erhöhten Schutz.1,2,6

Alle wichtigen Informationen zu klinischen Studien finden Sie auf unserer Webseite.

Kinder brauchen kindgerechte Forschung 

Wäre es nicht einfacher, neue Wirkstoffe nur in Studien mit Erwachsenen zu prüfen und die Dosierung für Kinder entsprechend anzupassen? Die klare Antwort: Nein. Denn Kinder sind mehr als „kleine Erwachsene“.7,8,9

Ihre Körper unterscheiden sich von erwachsenen Menschen unter anderem hinsichtlich Immunsystem, Stoffwechsel und Fettanteil. Deshalb ist es nicht möglich, einfach ein Zehntel der Erwachsenendosis eines Arzneimittels für ein 8 kg schweres Kind zu verwenden. Ein Kind benötigt nicht nur die für sein Körpergewicht angemessene Dosierung – es braucht eine speziell angepasste Therapie.2,7,10–13

Auch zwischen Altersgruppen bestehen erhebliche Unterschiede. Ein Kleinkind kann völlig anders auf einen Wirkstoff reagieren als ein älteres Kind. Hinzu kommt: Viele kleine Kinder können Tabletten noch nicht schlucken. Daher müssen altersgerechtet Darreichungsformen wie Säfte oder Kautabletten (möglichst in ansprechenden Geschmacksrichtungen) entwickelt und ebenfalls in Studien untersucht werden.2,7,10

Durch gezielte Forschung schaffen wir die Grundlage für eine moderne Kinder- und Jugendmedizin, die Medikamente präzise und zuverlässig einsetzt. Klinische Studien mit Kindern sind notwendig, damit auch Kinder vom medizinischen Fortschritt und einer optimalen Gesundheitsversorgung profitieren können.2,8
Kinder und Jugendliche nehmen in Deutschland bereits an etwa 150 klinischen Studien pro Jahr teil.14,15

Fünf Kinder im unterschiedlichen Alter halten sich an den Händen und laufen über eine Wiese.
Je nach Altersgruppe können Kinder und Jugendliche unterschiedlich auf Medikamente reagieren.

Kinder werden besonders geschützt

Für klinische Studien mit Kindern gibt es strenge Regeln, um die Sicherheit und den Schutz der jungen Teilnehmenden zu gewährleisten.

Zustimmung und Aufklärung

Kinder können nur teilnehmen, wenn ihre Eltern oder gesetzlichen Vertreter*innen schriftlich zustimmen. Ist das Kind alt genug, um den Nutzen und Ablauf zu verstehen, wird es altersgerecht über die Studie aufgeklärt – zum Beispiel anhand von Schaubildern. So werden schon junge Patient*innen aktiv in die Entscheidung miteinbezogen.1,2,14

Beschränkter Zugang

Gesunde Minderjährige dürfen grundsätzlich nicht an klinischen Studien teilnehmen. Ausnahmen gelten für Arzneimittel, die Erkrankungen vorbeugen, wie zum Beispiel Schutzimpfungen. Erkrankte Kinder können nur dann an Studien mitwirken, wenn die Behandlung ihre oder die Gesundheit von Kindern mit derselben Erkrankung potenziell fördert.1,14,16 

Minimale Beanspruchung

Damit die Belastung für erkrankte Kinder möglichst gering ausfällt, wird stets darauf geachtet, dass die Behandlung so schonend wie möglich abläuft und nur die nötigsten Untersuchungen durchgeführt werden.1,10 

Schrittweises Vorgehen

Bevor ein Wirkstoff in einer Studie mit erkrankten Kindern erprobt werden darf, muss er zuvor schon positive Effekte bei Erwachsenen gezeigt haben. In der Regel finden klinische Studien mit Kindern und Jugendlichen erst statt, wenn der Wirkstoff für Erwachsene kurz vor der Zulassung steht oder bereits zugelassen ist.10

Kinder und Jugendliche erhalten zu Beginn meist nur eine geringe Menge des Wirkstoffes. Erst im Laufe der Zeit, wenn die Sicherheit der Teilnehmenden gewährleistet werden kann, wird die Dosis von Studie zu Studie gegebenenfalls noch einmal angepasst.14

Unser Einsatz für Kinder und Jugendliche

Nach der UN-Kinderrechtskonvention haben Kinder ein Recht auf das erreichbare Höchstmaß an Gesundheit und Anspruch auf die bestmögliche Gesundheitsversorgung.17,18

Auch Novartis führt Studien mit Kindern und Jugendlichen durch. In vielen Fällen sind solche Untersuchungen von den Zulassungsbehörden vorgeschrieben – zum Beispiel als Auflage für die Zulassung eines Medikaments bei Erwachsenen. Damit soll sichergestellt werden, dass Arzneimittel auch für jüngere Patient*innen verfügbar und sicher sind. Durch Transparenz und Aufklärung möchten wir Eltern dabei unterstützen, informierte Entscheidungen für die Gesundheit ihrer Kinder zu treffen. Denn es ist unser Ziel, das Leben aller Menschen zu verbessern und zu verlängern.

Wünschen Sie sich mehr Informationen zur Forschung für Kinder? Dann schauen Sie sich doch einmal die Aufzeichnung unseres LinkedIn Live-Events aus der Reihe „Ach was! Medizinische Forschung betrifft uns alle“ an. In unserer Broschüre „Verstanden! Klinische Studie – die wichtigsten Fragen verständlich erklärt für Patient*innen haben wir dem Thema „Klinische Studien für besonders schutzbedürftige Menschen“ ein eigenes Kapitel gewidmet. 
 

Quellen

  1. Verband der forschenden Pharma-Unternehmen. Patienten und Patientinnen in klinischen Studien. https://www.vfa.de/de/patienten/patienten-klinische-studien/klinische-s… (zuletzt aufgerufen am 15.01.2026).
  2. Novartis Pharma GmbH. Verstanden! Klinische Studien. https://klinischeforschung.novartis.de/wp-content/uploads/2025/10/25-10… (zuletzt aufgerufen am 15.01.2026).
  3. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. Klinische Prüfung. https://www.bfarm.de/DE/Arzneimittel/Klinische-Pruefung/_node.html (zuletzt aufgerufen am 15.01.2026).
  4. Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt. Klinische Forschung. https://www.gesundheitsforschung-bmftr.de/de/klinische-forschung-6456.p… (zuletzt aufgerufen am 15.01.2026).
  5. Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt. Wie funktionieren klinische Studien? https://www.gesundheitsforschung-bmftr.de/de/wie-funktionieren-klinisch… (zuletzt aufgerufen am 15.01.2026).
  6. Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt. Wie sicher sind klinische Studien? https://www.gesundheitsforschung-bmftr.de/de/wie-sicher-sind-klinische-… (zuletzt aufgerufen am 15.01.2026).
  7. Verband der forschenden Pharma-Unternehmen. Arzneimittelzulassungen für Kinder. https://www.vfa.de/de/forschung-entwicklung/datenbanken/amzulassungen-k… (zuletzt aufgerufen am 15.01.2026).
  8. Lehmann B. et al. Klinische Prüfung an Kindern im Spannungsfeld zwischen wissenschaftlichen Anforderungen, der Sicherstellung der korrekten Behandlung und ethischen Aspekten. Volume 52, Issue 4, Bundesgesundheitsblatt, Springer Link. https://link.springer.com/article/10.1007/s00103-009-0831-7 (zuletzt aufgerufen am 15.01.2026).
  9. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit. Arzneimittel für Kinder. https://www.kindergesundheit-info.de/themen/krankes-kind/recht/kinder-a… (zuletzt aufgerufen am 15.01.2026).
  10. Novartis Pharma GmbH. Studien für Kinder und Jugendliche. https://klinischeforschung.novartis.de/teilnahme-und-ablauf/studien-fue… (zuletzt aufgerufen am 15.01.2026).
  11. Khan D. et al. Paediatric specific dosage forms: Patient and formulation considerations. Int J Pharm. 2022 Mar 25:616:121501. https://doi.org/10.1016/j.ijpharm.2022.121501 (zuletzt aufgerufen am 15.01.2026).
  12. von Mandach U. Wirksamkeit und Sicherheit von Kinderarzneimitteln aus pharmakologischer Sicht. Pädiatrie, 09(4+5). https://www.rosenfluh.ch/paediatrie-2009-04-05/wirksamkeit-und-sicherhe… (zuletzt aufgerufen am 15.01.2026).
  13. Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs. Das Immunsystem bei Kindern. https://www.gesundheit.gv.at/leben/eltern/immunsystem-bei-kindern.html (zuletzt aufgerufen am 15.01.2026).
  14. Verband der forschenden Pharma-Unternehmen. Kinder und Jugendliche in klinischen Studien. https://www.vfa.de/download/kinder-und-jugendliche-in-klinischen-studie… (zuletzt aufgerufen am 15.01.2026).
  15. Deutsches Ärzteblatt. Arzneimitteltherapie: Kinder profitieren von mehr Forschung. https://www.aerzteblatt.de/archiv/arzneimitteltherapie-kinder-profitier… (zuletzt aufgerufen am 15.01.2026).
  16. Deutsches Referenzzentrum für Ethik in den Biowissenschaften. Medizinische Forschung mit Minderjährigen. https://www.drze.de/de/forschung-publikationen/im-blickpunkt/medizinisc… (zuletzt aufgerufen am 15.01.2026).
  17. Novartis Pharma GmbH. Kindergesundheit ist ein Kinderrecht! https://www.novartis.com/de-de/geschichten/kindergesundheit-ist-ein-kin… (zuletzt aufgerufen am 15.01.2026).
  18. Deutsches Institut für Menschenrechte. Kinder haben ein Recht auf Gesundheit. https://www.institut-fuer-menschenrechte.de/fileadmin/user_upload/Publi… (zuletzt aufgerufen am 15.01.2026).